Kein Industriegebiet Nord – auch nicht für Polymer!

Gleiche Perspektive – und doch so anders…

… aber nicht nur das Landschaftsbild leidet extrem, Polymer frisst Fläche, die so groß ist wie das gesamte Sanierungsgebiet in der Innenstadt. Nur dass dort mit Flächen definitiv sparsamer umgegangen wird. In der vor vierzig Jahren schon tot geglaubten Innenstadt arbeiten heute garantiert mehr als die 30-300 prognostizierten Polymer-Arbeitsplätze auf der „grünen Wiese“, mehr noch, die Fläche der Innenstadt reicht sogar für über 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner, dient als Erholungsfläche sowie Lebens- und Aufenthaltsraum.

Polymer hat im letzten Stadtrat viele überrumpelt und Verlockungen angeboten, die sich auf den zweiten Blick als Mogelpackung herausstellen könnten. Das Thema „Nachhaltigkeit bei Industriebetrieben“ beschränkte sich bei Nachfragen auf moderates Stromsparen (eines ansonsten riesigen Stromverbrauchs), ansonsten gab es kaum kreative Ansätze, die viele, auch Befürworter gewünscht hätten.

Viele Fragen, die wir, genau wie unsere grünen Ratskollegen aus den betroffenen Wettbewerbskommunen Idar-Oberstein, Simmern und Warmsroth gestellt haben, sind offen und von Polymer leider noch unbeantwortet. Wir sind uns sicher, dass nicht intensiv genug nach Alternativen zu der Industriefläche nördlich der B41 gesucht wurde.

Wir von Bündnis 90/ Die Grünen stehen für eine gesunde Entwicklung von Familienbetrieben, aber nicht um diesen Preis. Wir werden den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes nördlich der B41 daher ablehnen, weil eine Vielzahl von Gründen gegen diesen Standort sprechen und mehr Fragen offen sind als geklärt.

In diesem Zusammenhang sehen wir auch die starken Befürchtungen der in unmittelbarer Nachbarschaft betroffenen Bevölkerung vor Lärm, schlechter Luft, mehr Hitze im Sommer und der Sicht auf eine hohe Silowand anstatt auf den Soonwald. Wir werden die dortigen Betroffenen auf jeden Fall in Ihren berechtigten Anliegen unterstützen.

Neben der zusätzlichen Flächenversiegelung wird der Sprung über die B41 zu weiterem ungewünschten Flächenfraß führen, sprich…da noch ein Schnellimbiss oder Rasthof, dort noch ein Möbelmarkt…

Die Arbeitsplatzbilanz (laut Angaben von Polymer handelt es sich eher um unqualifizierte Arbeitsplätze, die nach unserer Einschätzung langfristig durch Automatisierung wegfallen) würde geringer ausfallen als erwartet. Vielleicht sollte in diesem Zusammenhang das ewige Mantra der Arbeitsplätze und Gewerbeinnahmen mal einer knallharten Bilanzierung, z.B. dem drohenden Verlust bei Fremdenverkehr, Wellness und Landwirtschaft/Weinbau weichen.

Wir betonen immer wieder: Die Stadt benötigt kleinteiligere Lösungen, also Möglichkeiten, um Dienstleistungen und Start-Up-Lösungen im Zentrum zu fördern. Dort können die Arbeitskräfte zu Fuß, mit dem Rad oder der Bahn ihren Arbeitsplatz erreichen. Bei den Überlegungen der Erweiterung von Polymer muss die regionale Brille aufgesetzt werden, was die Firmenleitung auch vorantreibt. Es bringt uns nichts, in eine „Toschlusspanik“ zu verfallen, ohne über negative Konsequenzen für die eigene Bevölkerung und Kurstadt Bad Sobernheim nachgedacht zu haben. Im Fokus der globalen Klimaschutzdiskussion erscheint das Vorhaben daher noch mehr als Projekt „aus einer wirtschaftspolitischen Steinzeit“.

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